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Häuslingen - aktiv und lebendig

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Nachfolgend ein kurzer Abriss über wichtige Daten aus der Geschichte der Gemeinde Häuslingen:

1. Die Gemeinde Häuslingen stellt sich vor

Vorab ein paar Wort zur heutigen Situation:

Die Gemeinde Häuslingen wurde im Zuge der niedersächsischen Gemeindereform im Jahre 1974 aus den bis dahin selbständigen Gemeinden Groß Häuslingen und Klein Häuslingen gebildet.

Heute hat die Gemeinde rd. 870 Einwohner und ist mit 13,58 qkm die flächenmäßig kleinste Gemeinde im Bereich der Samtgemeinde Rethem.

2.  Die Keimzelle Groß Häuslingens

Das “Alte Dorf” mit seinem historischen Ortsbild ist die Keimzelle des Ortes Groß Häuslingen. Es handelt sich um ein sogenanntes Haufendorf, wie sie hier im Aller-Leine-Tal vielfach zu finden sind. Der Ort mit seinen vielen denkmalgeschützten und ortsbildprägenden Gebäuden gilt auch heute noch als eines der Kleinode im Landkreis.

Die erste urkundliche Erwähnung Häuslingens datiert aus dem Jahre 1220. Damals sprach man von “huchelem”. Nach Heinrich Imhagen, dem ehemaligen Lehrer und Ortschronisten, bedeutet dieser Name Pfahlhausheim oder auch Hügelhausheim. Dieses mag darin begründet liegen, dass der Ort im Urstromtal der Aller auf einer kleinen Anhöhe liegt um vor den jährlich wiederkehrenden Hochwassern sicher zu sein.

Um 1329 spricht man bereits von Lutten und Groten Huslem, um 1800 von Grossen und Kleinen Häuslingen.

Der alte Ort ist auch heute noch stark landwirtschaftlich geprägt. Die traditionelle Milchviehhaltung auf den Allerwiesen wurde in aktueller Zeit durch weitere Betriebszweige ergänzt. Einige Betriebe verdienen ihren Lebensunterhalt mit Pferdezucht oder Schweinehaltung, oder aber mit dem Anbau von Sonderkulturen. Weit über die Grenzen Häuslingens hinaus bekannt ist der Häuslinger Spargel, aber auch Erdbeeren und Heidelbeeren werden von den hiesigen Direktvermarktern angeboten.

3.  Erste Besiedlung

Die erste Besiedlung wurde im Bereich des Hunnenberges nachgewiesen. Bei dem Hunnenberg handelt es sich um eine Binnenlanddüne. Der Sand ist also vollkommen steinfrei und wurde vor vielen Tausend Jahren von Sandstürmen geschaffen.

Hier, zwischen den beiden Orten Groß und Klein Häuslingen, gab es nachweislich die erste Besiedlung im Gemeindegebiet. Funde aus der Jüngeren Jungsteinzeit (10.000 bis 2.000 v. Chr.) belegen dies. Es wurden an dieser Stelle Steingeräte in kunstvoller Ausführung gefunden.

Vermutlich war dieser Hügel aber bereits vor der Jungsteinzeit besiedelt. Hierauf deutet der Name “Hunnenberg” hin. Die Menschen der Jungsteinzeit waren Ackerbauern, deren Vorfahren jedoch Hirten und Fischer. Diese Menschen lebten in kleinen Gruppen. An der Spitze einer solchen Gruppe stand jeweils der Älteste, der “Hunning” oder “Hunne” oder auch “Hüne” = Häuptling. Und eben ein solcher Häuptling mit seiner Sippe wird hier auf dem Hunnenberg gewohnt haben.

4.  Klein Häuslingen und die v. Behrs

Das Gut Klein Häuslingen bestand über viele Jahrhunderte aus den beiden Gütern und 2 Kötnern. Auch heute noch gibt es hier kaum mehr Wohnhäuser.

Ursprünglich hatte eine Familie Clüver ihre Besitzungen in Klein Häuslingen. Ihnen folgte die Familie von Behr nach, die noch heute hier ansässig ist. Seit wann genau die v. Behrs hier ihren Sitz haben, ist nicht bekannt.

Bei der Familie von Behr handelt es sich um ein altes Adelsgeschlecht. So war um 1100 ein v. Behr Großvogt in Hermannsburg, zur Zeit Friedrich Barbarossas war ein Hermann v. Behr Bischoff in Verden. Im Mittelalter gehörten die v. Behrs zu den Raubrittern.

Die Gutsanlage des Gutes II überrascht mit seinem für unsere Region untypischen Zwiebelturm des Herrenhauses.

Im Bereich des Gutes I befand sich ursprünglich eine Burg, die Burg Zwischensee. Diese brannte im Mittelalter ab, die genaue Lage ist bis heute unbekannt. Bemerkenswert ist ein Schafstall aus dem Jahre 1706 welcher im schön restaurierten Fachwerkgiebel als Ziegelmuster einen Donnerbesen enthält. Dieser im Landkreis Soltau-Fallingbostel einzig erhaltene Donnerbesen sollte nach altem Aberglauben vor Blitz und Donner schützen.

Das Gut Klein Häuslingen ist wegen eines hier ansässigen Pferdezucht- und pensionsbetreibes auch überregional bekannt.

5.  Schnedenstein / Grenzziehung

Die heutige Grenze zwischen den Gemeinden Häuslingen und Kirchlinteln (Otersen) ist eine uralte Grenze. Zwischen den Bereichen Häuslingen / Rethem und dem Bereich Verden lässt sich eine Grenzziehung weit über 1000 Jahre zurück verfolgen.

Um das Jahr 1000 befand sich hier im Herzogtum Sachsen die Grenze zwischen dem Loingau (Bereich Rethem) und dem Sturmigau (Bereich Verden). 1235 war es dann die Grenze zwischen dem Bistum Verden und dem Fürstentum Lüneburg.

Im Jahre 1576 ließ Bischof Eberhard von Verden Grenzsteine zwischen dem Bistum Verden und dem Fürstentum Lüneburg setzen, damit fernhin keine Fehde mehr zwischen ihnen sei. Diese sogenannten Schnedensteine (Schnede = Grenze) zeigen auf  der einen Seite ist das Verdener Kreuz und auf der anderen Seite den Lüneburger.

Nach dem 30jährigen Krieg verlief hier die Grenzen zwischen Schweden (Verden war von 1648 bis 1719 Schwedisch) und dem Fürstentum Lüneburg. In der französischen Besatzungszeit 1810 trafen hier das Kaiserreich Frankreich (Häuslingen) und das Königreich Westfalen (Verden) zusammen. Nach den Befreiungskriegen befand sich hier im Königreich Hannover die Grenze zwischen den Landdrosteien Lüneburg und Stade.

Heute grenzt hier die Gemeinde Häuslingen (Landkreis Soltau-Fallingbostel) an die Gemeinde Kirchlinteln (Landkreis Verden).

Eine Besonderheit weist die ca. 500 m in Richtung Verden liegende Ortslage Ludwigslust auf. Sie wurde 1797 von Ludwig von Behr auf dem Gebiet der damaligen Gemeinde Klein Häuslingen gegründet. Die später auf der anderen Straßenseite errichteten Häuser befinden sich auf dem Gebiet der Gemeinde Kirchlinteln. Dieses führt dazu, dass in dem Ort Schulbusse, Müllfahrzeuge und Postboten aus zwei Landkreisen zuständig sind.

6.  Die Zeit der Kleinbahn

Durch die Gemeinde verlief einst die Bahntrasse der Kleinbahn von Verden nach Walsrode. Bei den Planungen Anfang des 19. Jahrhunderts sollte die Streckenführung nicht durch Häuslingen gehen. Durch die beiden Kalischächte in Groß und Klein Häuslingen entschied man sich für diese Streckenführung. Mit dem Bau begann man am 1. März 1909, der erste mit Girlanden und Blumen geschmückte Zug fuhr hier am 7. Dezember 1910.

In Groß Häuslingen ist heute noch in der Bahnhofstraße das alte Bahnhofsgebäude zu sehen, in Klein Häuslingen gab es für den Personenverkehr lediglich eine Bedarfshaltestelle im Bereich der Ortslage Schacht. Beide Orte hatten aber eine Anbindung der Bahnstrecke zu den jeweiligen Schachtanlagen.

Der Kleinbahn ging es nur solange gut, wie auch die beiden Kaliwerke in Häuslingen blühten. Als die Werke stillgelegt wurden, krankte auch die Bahn. 1925 wurde ein Verlust von 15.000 Mark ausgewiesen. Um weiter existieren zu können, mussten immer neue Abgaben von den an der Bahn beteiligten Gemeinden gefordert werden.

1932 wurde, um Kosten zu sparen, ein Schinen-Leichtbau-Omnibus in Dienst gestellt. Als einige Jahre später wieder finanzielle Hilfe erforderlich wurde, weigerten sich die Gemeinden. So wurde 1936 der Beschluß auf Abbruch eines Teils der Strecke gefaßt. Noch im gleichen Jahr wurde mit dem Abbruch der Strecke zwischen Stemmen und Böhme begonnen.

Die beiden Teilstrecken Verden – Stemmen und Böhme – Walsrode werden auch heute noch betrieben. Es werden aber nur noch Güter transportiert. Den Betrieb der Bahnstrecke und des Personenverkehrs in dieser Region betreibt bis heute die Verden-Walsroder-Eisenbahn (VWE).

Der Bahndamm ist aus dieser Zeit bis heute geblieben und wird gern als Wanderweg angenommen.

7.  April 1945; Kämpfe um den Allerübergang

Im April 1945 fanden im Raum Rethem heftige Kämpfe um den Allerübergang statt. Die in Groß Häuslingen und Klein Häuslingen gefallenen deutschen Soldaten haben hier auf dem Ehrenfriedhof ihre letzte Ruhe gefunden.

Auf deutscher Seite kämpfte die 2. Marine Infanterie Division, unterstützt durch ungarische Rekruten im Bereich Rethem darum, die Aller-Linie zu halten. Auf britischer Seite befand sich die 53. Welsh Division. Den noch etwa 350 kampffähigen deutschen Marinesoldaten stand eine mindestens fünffach überlegene Infanterie, unterstützt durch Artillerie und Luftwaffe, gegenüber. Für die Marinesoldaten handelte es sich um den ersten Landeinsatz.

Am 10. und 11. April wurde in Rethem heftig gekämpft. Die Allerbrücke wurde am 10. April durch eine verirrte Kugel, die die bereits befestigten Sprengkörper traf, zerstört. Die Deutschen verließen die Stadt am Abend des 11. April.

Nachdem die Briten bei Westen / Otersen einen Brückenkopf errichtet hatten, stießen sie am 13. April gegen 2.00 Uhr auf Klein Häuslingen vor. Hier wurde besonders um die Post heftig gekämpft. Nachdem 8 Deutsche den Tod gefunden hatten, wichen sie nach Groß Häuslingen zurück. Hier war Korvettenkapitän Herbert Melzer mit 2 Kompanien fest entschlossen ein weiteres Aufrollen der Front zu verhindern. Die Deutschen schlugen 2 Angriffe zurück, dann umgingen die Briten den Ort und griffen über den Bahndamm an. Hier kam es zu heftigen Feuergefechten. Gegen 7 Uhr erlahmte der deutsche Widerstand.

Bei den Kämpfen um Klein und Groß Häuslingen fanden insgesamt 59 Deutsche, überwiegend noch sehr junge Männer, den Tod. Die Verluste der Briten waren etwa halb so hoch.

8.  Bahnhofstraße - Baustil der Kalizeit

In der Bahnhofstraße, rund um den ehemaligen Bahnhof, befindet sich noch ein weitgehend geschlossenes Gebäudeensemble von Bauten aus der Kalizeit. Typisch für diese Gebäude sind die mit roten Pfannen gedeckten Mansardendächer und die weiß gestrichenen Häuserwände. Von diesem Haustyp finden sich in der Region noch weitere Gebäude: in Hülsen, Ludwigslust und die Gastwirtschaft in Klein Häuslingen.

Weiter ortsbildprägende Beispiele von Bauten aus der Kalizeit bieten die beiden Gebäude am Ortseingang von Groß Häuslingen (aus Richtung Hodenhagen kommend). Bei einem dieser Gebäude handelt es sich um die damalige Verwaltervilla.

9.  Kaliabbau im Allertal

Um 1900 wurde überall im Deutschen Reich Kali gesucht. Auch im Allertal wurde            man an mehreren Stellen fündig.

1903 wurden in Groß Häuslingen Verträge mit der Fa. Aller-Nordstern und in              Kl. Häuslingen mit der Fa. Aller-Hammonia geschlossen.

1905 wurde man bei Probebohrungen 200 m unter der Erdoberfläche fündig.

1911 begann man mit der Anlage des Schachtes: Rohsalzmühle, Salzschuppen,            Verwaltungsgebäude und Fördertürme wurden errichtet.

1912 begann die Förderung. Da laut Bergwerksgesetz mindestens 2 Schächte für         ein Bergwerk vorzusehen waren, verband man die Kalischächte Groß Häuslingen und Klein Häuslingen unterirdisch.

Unterbrochen durch den 1. Weltkrieg nahmen beide Orte eine stürmische Entwicklung. Die Einwohnerzahl schnellte empor: 1905: 300 Einwohner, 1912: 800 Einwohner, 1920: 1.130 Einwohner. Die Schule wurde neu gebaut, die Bahnlinie Verden-Walsrode wurde wegen der Kaliförderung durch Häuslingen gelegt und es gab sogar Überlegungen ein Hallenbad in Groß Häuslingen zu bauen.

Durch den Verlust des 1. Weltkrieges ging das weltweite deutsche Kalimonopol verloren (Elsaß-Lothringen ging an Frankreich, Oberschlesien an Polen). Außerdem kam mehr und mehr der günstigere Kunstdünger in Gebrauch. Als Folge schlossen 1924/25 alle Kalischächte im Allertal.

Die Schachtanlagen wurden mit Wasser geflutet. 2001 und 2002 wurde als letztes Kapitel der Kaligeschichte in Häuslingen das Wasser beider Schächte abgepumpt und die Hohlräume mit grobem Schotter und Mineralgemisch verfüllt.

Geblieben sind aus dieser stürmischen Zeit der Männergesangverein, das alte Schulgebäude, die Gaststätte “Glück auf” und die von Jahr zu Jahr durch Auswaschungen schrumpfende Abraumhalde. Die Abraumhalde in Klein Häuslingen ist mittlerweile völlig verschwunden.

Gewarnt sei vor dem Besteigen der Halde. Durch Auswaschungen  sind Hohlräume entstanden, die zu lebensgefährlichen Fallen werden können.

 

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